Verbunden mit einem Appell.

Natürlich ist es derzeit noch viel zu früh, über Lehren aus der gegenwärtigen Coronavirus-Krise zu sprechen. Doch eines lässt sich aus den Erfahrungen mit bisherigen Krisen mit Gewissheit sagen: das Verhalten von Arbeitgebern in Krisenzeiten hat gravierende Auswirkungen auf die Zeit danach. Im Negativen wie im Positiven.

Ralf Tometschek (Identifire) hält bei LinkedIn völlig zu Recht fest:

Liebe Unternehmen – wie Ihr jetzt mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgeht, wird Euer Image länger prägen als jede Kampagne der nächsten Jahre. #employerbranding

Anders gesagt: wer sich gerade den Ruf erarbeitet, seinen Mitarbeitern gegenüber allzu illoyal zu sein und z.B. sofort zu kündigen (ohne etwa die Möglichkeit des von der Regierung angebotenen Kurzarbeitsmodells auch nur zu prüfen), der kann nachher die kühnsten Arbeitgeberversprechen in den schönsten Floskeln und Designs aufstellen - sie werden sprichwörtlich für "A... und Friedrich" sein.

Es gibt aber auch positive Beispiele aus der Historie: Als mit Argentinien 2001/2002 erstmals ein ganzes Land in den Staatsbankrott schlitterte und die Wirtschaft ruiniert am Boden lag, ging VW unter seinem damaligen, erst seit kurzem im Amt befindlichen, Chef der Niederlassung, dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler (und vormaligen OMV-Personalchef) Viktor Klima einen anderen Weg als andere Autokonzerne am Río de la Plata: anstatt die Werke zu schließen, auf radikalen Personalabbau zu setzen und Lohnarbeiter einfach ihrem Schicksal zu überlassen, zeigte man sich mit den Mitarbeitern bewusst solidarisch - und kommunizierte dies auch hervorragend.

Auch wenn die Strategie riskant war: man hielt den Betrieb zu großen Teilen aufrecht, was trotz aller Schwierigkeiten natürlich auch ökonomisch Sinn machte und Stabilität als zentralen Wert vermittelte. Mit Erfolg: die Argentinien-Krise hielt nicht ewig an - der Wirtschaftsaufschwung kam früher als erwartet (so wie keine Krise ewig anhält - auch Corona wird vorübergehen...).  VW war fortan in Südamerika in einer deutlich besseren Markt- und Produktionssituation als jene Mitbewerber, die sich aus ihrer wirtschaftlichen und sozialen Verantwortung verflüchtigt hatten.

Das bedeutete konkret: in den Zeiten des nachfolgenden Wirtschaftsaufschwungs war es für den deutschen Autobauer im wichtigen südamerikanischen Absatz- und v.a. Produktionsmarkt (mehrere große Standorte!) deutlich einfacher, begehrte Fachkräfte zu rekrutieren. Zudem war die Marke im öffentlichen Bewusstsein (und in der Politik) stark aufgewertet - geradewegs ein Synonym für gelebte CSR. Dass dies (im südamerikanischen Markt) auch auf die Global Brand des Unternehmens eingezahlt hat und der daraus resultierende Markenboost in der Folge absatzförderlich war, braucht nicht extra betont zu werden. Wir sprechen hier von der Zeit VOR Schummelsoftware & Co (eine hohe Markenreputation ist im übrigen auch bei solchen - selbstverschuldeten - Krisen nachhaltig nützlich, wie gerade das Beispiel VW eindrücklich zeigt).

Was lernen wir daraus (auch wenn niemand von uns so groß ist wie VW): gerade in Zeiten großer Krisen können gute CSR und das Schaffen von (Mitarbeiter)Vertrauen die beste Investition für die Zeit danach sein. Nicht nur für das Employer Branding, sondern in weiterer Folge auch für Marketing und Vertrieb. Klar, man muss eine Krise zuerst überleben - drastisch formuliert: in empathischer Schönheit gestorben, ist auch gestorben. Doch ein wenig daran zu denken, dass Verantwortung für Mitarbeiter gerade in schwierigen Zeiten auf die Marke einzahlt (mit allen daraus erwachsenden Vorteilen), macht auch Mut. Und schafft nachhaltig eine gute Unternehmenskultur: etwa weil Arbeitnehmer über sich selbst hinauswachsen und die Loyalität tausendfach zurückgeben.

APPELL: Vielleicht kann sich ja die Autoindustrie auch in der aktuellen Corona-Krise dieses Beispiels aus den Jahren 2001/2002 besinnen und einen Umgang mit den Mitarbeitern an den Tag legen, welcher der Loyalität gerecht wird, die die tausenden Arbeiterinnen und Arbeiter über viele Jahre hinweg ihren Arbeitgebern erwiesen und damit Rekordgewinne möglich gemacht haben? Aktuelle Informationen zeichnen derzeit mitunter leider ein etwas anderes Bild. 

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BILDER: Photo by Andrea Leopardi on Unsplash

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